Mich erstaunt immer wieder, welche Mißverständnisse immer noch über Doppel- und Einfachseiltechnik herrschen.
Doppelseil: Ein Seilstrang wird abgelängt, der zweite Seilstrang (= Abziehseil) läuft beim Abseilen des Ersten aus dem Sack. Dann hat man nur so viel Seil verwendet, wie nötig ist, und die Vorteile, die Peter der Einfachseiltechnik zuschreibt, hat man ebenso bei dieser Methode. Die bekannten Nachteile dieser Technik möchte ich hier nicht erwähnen. Ich selbst verwende diese Technik am häufigsten – wenn keine Wassergefahr besteht!
Einfachseil: Ist unvermeidlich, wenn Gefahr insbesondere bei Ankunft im Wasserbecken besteht! Sinnvoll ist diese Methode ansonsten eigentlich nur dann, wenn man die Fixierung lösbar einbaut und das Abziehseil (ist gleichzeitig das Seil, an dem man bei Blockade des Abseilenden diesen ablassen kann) bis zum Schluß (also bis der Letzte abseilt) oben läßt! Dann kann ein Unfall, wie von Peter erlebt, gar nicht passieren. Auf Fotos sieht man häufig, wie jemand am Einfachseil abseilt und neben ihm der zweite Seilstrang läuft: Das ist Quatsch und gefährlich (Gefahr des Hängenbleibens)! Nachteil dieser Methode ist, daß man keine Abziehprobe machen kann (es sei denn, der Letzte wirft den Rucksack mit dem Restseil zu den anderen hinunter, bevor er abseilt). …
Hallo Werner,
vorerst mal danke für die Begriffsklärung, deine Ausführungen bringens auf den Punkt!
> Doppelseil: Ein Seilstrang wird abgelängt, der zweite Seilstrang (= Abziehseil) läuft beim Abseilen …
Mir ist diese Methode natürlich auch wohlbekannt, allerdings hab ich aus Willis Kommentar zwischen den Zeilen rausgelesen dass er das Seil nicht ablängt, sondern die klassische "alpine" Abseiltechnik anwendet, daher bin ich darauf eingegangen. Sorry Willi falls ich dich da falsch interpretiert habe. Aber stimmt schon, ich hab die Begriffe Einfachseil/Doppelstrang/... in meinem Posting falsch verwendet.
> Auf Fotos sieht man häufig, wie jemand am Einfachseil abseilt und neben ihm der zweite Seilstrang läuft:
> Das ist Quatsch und gefährlich (Gefahr des Hängenbleibens)!
Das war eben genau in unserem Fall nötig! Nils (mein Neffe) mit seinen ~30kg hatte Anfangs Probleme am Doppelstrang (halbstatisches Seil) abzuseilen. Mit seinem geringen Gewicht musste er das Seil immer durch den Piranha stopfen, vor allem bei Abseilstellen wo man nicht frei hängt. Am Einfachstrang ging das bedeutend besser. OK, man hätte den Seilsack oben lassen können, dann wär der zweite Seilstrang nicht im Weg. Auf eine lösbare Fixierung haben wir aufgrund der geringen Wassermenge und den kurzen Abseilern verzichtet, das wäre wie mit Kanonen auf Spatzen schießen. Mein Fehler war ganz klar dass ich als Letzter nicht auf die Doppelseilmethode umgeschalten habe, oder sonst sichergestellt habe dass ich nicht in den falschen Strange einhänge. Ich hab einfach aus Bequemlichkeit darauf verzichtet irgendwas am Abseilvorgang zu ändern ohne darüber nachzudenken.
Ich finde es ist einfach ganz schwer pauschal eine Methode als "die Richtige" hinzustellen, dafür sind die Situationen in Canyons einfach zu unterschiedlich. Wichtig ist dass man möglichst alle Vor/Nachteile von möglichst vielen Methoden kennt und dann die richtige Kombination auswählt. In meinem Fall hab ich eben definitiv falsch "kombiniert". …
Der Pirana ist fürs Einfachseil konzipiert und macht Probleme am Doppelseil. Wer häufig am Doppelseil abseilt, dem empfehle ich den klassischen Achter. Der ist universell einsetzbar und für mich gibt es nichts Besseres. Er ist auch am Einfachseil verwendbar (wenn man das Seil entsprechend einlegt), und entgegen der landläufigen Meinung läßt sich auch beim Achter die Bremskraft während des Abseilens verändern. Wer damit nicht zurecht kommt, kann sich überlegen, ob er nicht beide Geräte mitnimmt. … Antworten